Nachlass Claus Boje

Ohne Dich wird nun das Unmögliche noch weniger möglich (Detlev Buck)

Am 20. September kommen über 100 Kunstwerke von zeitgenössischen Künstler:innen wie Sarah Lucas, Claire Fontaine, Wim Delvoye, Matthew Barney, Valie Export, Monica Bonvicini, Daniel Richter, Rainer Fetting, Jonathan Meese u.a. unter den Hammer. Mit einigen der Künstler:innen verbanden ihn enge Freundschaften.

Claus Boje sammelte Kunst, um die Lust am Leben zu feiern, diese Freude zu teilen und damit kreative Räume zu erschaffen. Als Kunstsammler zeichnete ihn seine spontane Begeisterung aus, die Freude am künstlerischen Werk abseits der Bekanntheit der Künstler:innen und deren Anlagewert. So spiegelt die Sammlung Boje sein Faible für große Gesten und feinsinnigen Humor wider.

Auch Reminiszenzen an sein Leben werden versteigert, darunter Fotografien diverser Film-Sets, Filmplakate und goldene Schallplatten mit Widmungen, für die wir neue Liebhaber finden werden.

Detlev Buck - "Du hast den Erfolg nicht typisch deutsch versteckt, sondern ihn gefeiert, gezeigt, geteilt. (…) 880 qm Büro am Kurfürstendamm, bestückt mit Kunst, Dein Hort. Über Geschmack lässt sich schwer streiten, aber Du hast etwas, was ich sehr vermisse und nicht viele Menschen haben, auch wenn sie es krampfhaft versuchen: Du hast Stil, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.“

Auswahl von Werken aus dem Nachlass von Claus Boje

Lot 120
Matthew Barney (1967 San Francisco – lebt in New York)
Cremaster 4. The Loughton Candidate. 1994.

Lot 115
Claire Fontaine (gegründet 2004 Paris – leben in Palermo)
Closed for Prayers. 2008.

Lot 110
Valie EXPORT (1940 Linz – lebt in Wien)
Aktionshose: Genitalpanik. 1969/2001.

Lot 133
Ratheesh T (1980 Kilimanoor – lebt in Trivandrum)
Moorthy. 2007.

Lot 163
Rainer Fetting (1949 Wilhelmshaven – lebt in Berlin)
Old Man sitting Sauna. 1989.

Lot 195
Die Ärzte
Goldene Schallplatte: Schrei nach Liebe. 1993.

Lot 153
Betty Woodman (1930 Norwalk - New York City 2018)
Two Woman Diptych. 1996.

Lot 101
Monica Bonvicini (1965 Venedig – lebt in Berlin)
19 Tonnes For You. 2011.

Alle Lots aus dem Nachlass von Claus Boje sind in unserem Katalog zu sehen.

Bojes Leben widmete sich dem Film: Begonnen als Kinobetreiber und Verleiher (Delphi Filmverleih), gründete er 1989 gemeinsam mit Detlev Buck die Boje Buck Produktion. Zu den größten Erfolgen gehören u.a. Wir können auch anders (1993), Männerpension (1996), Sonnenallee (1999) (Regie: Leander Haußmann) und Herr Lehmann (2003), NVA (2005). Alles typische Boje/Buck-Komödien, die auf einen anderen Humor als im deutschen Kino üblich setzten. So entstanden kommerziell erfolgreiche Filme, die als echte „Crossover“ zwischen Arthouse und Kommerz funktionierten. Boje, der im Hintergrund die Strippen zog, beflügelte mit seiner Begeisterungsfähigkeit und seinem Mut zum Risiko das deutsche Kino der 1990er-Jahre.
Sein Credo lautete stets, „aufwändige, bis ins Detail liebevolle Produktionen“ (website) zu machen. Liest man den Nachruf von Leander Haußmann, einem Weggefährten der ersten Stunde, erfährt man, dass Claus Boje eine charakteristische, künstlerische Handschrift schätzte. Er erkannte und förderte die Künstler:innen hinter den Filmen, hielt diese für ganz besondere Menschen und kämpfte mit Mut und Risikobereitschaft an deren Seite. Ihn interessierte das Neue, das Einzigartige, da er den Zuschauer für klug hielt und der Überzeugung war, dass sich Erfolg und Qualität nicht ausschließen werden. Mutiges, originelles Filmemachen, immer auf der Kante, volles Risiko, mit maximaler Unabhängigkeit. Haußmann: „Boje/Buck war für eine ziemlich lange Zeit einer der leuchtenden Sterne am deutschen Filmhimmel.“ Dafür wurde Claus Boje mehrfach mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.